Die etwas andere Kohlfahrt

Ein Bericht von Simone Eschler

Hau-Ruck"Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung." Der Urheber dieser Binsenweisheit muss wohl einen Tag wie den 12. Februar im Sinn gehabt haben. Sturm und Regen hatten unsere Lust auf Kohlfahrt bereits am Morgen erheblich gedämpft. Nach langem Überlegen entschieden sich Marcus und ich, die - modisch zwar nicht sehr ansprechenden, dafür aber wetterfesten - Motorrad-Regenkombis für den Fußmarsch anzuziehen.
Alles begann sehr verheißungsvoll. Wir trafen uns mit den übrigen Seeteufeln am Bahnhof, wo wir nach dem Begrüßungstrunk einen Bus bestiegen. Der Reiseleiter kündigte einen kurzen Bustransfer nach Bremerhaven an. Dort sollten wir auf die Englandfähre umsteigen. Kohl und Tanz sollte es auf der Fähre geben, als Höhepunkt war ein einminütiger Aufenthalt auf englischem Boden geplant. Nun ja, der Busfahrer hat die falsche Ausfahrt erwischt und plötzlich fanden wir uns im Wesertunnel wieder. Jenseits des Tunnels, in einem kleinen Ort mitten im Nichts setzte er uns aus, versprach aber, wiederzukommen.
Wir begannen unseren Marsch, immer geradeaus, mit den üblichen Stopps an jeder Ecke. Wir ließen den Ort hinter uns und marschierten nun zwischen Feldern weiter, immer noch gerade aus. Bei orkanartigen Böen war es gar nicht so einfach, vorwärts zu kommen. Doch auf halben Weg wurden wir erlöst. Zwei Kremserwagen warteten auf uns. Gutgelaunt stiegen wir ein.
Wir mussten nun nicht mehr laufen und konnten im Warmen trinken. Konnte es Schöneres geben? Plötzlich war ein lautes Fluchen von unserer Kutscherin zu hören. Da lag ein umgeknickter Baum quer über die ohnehin nicht sehr breite Straße. Aber der hatte die Rechnung ohne die Seeteufel gemacht. Einige Seeteufel und Seeteufelinnen stiegen aus und zurrten und zerrten solange an dem abgeknickten Stamm, bis der Weg frei war. Zum Glück ist niemand im Graben gelandet, obwohl der eine oder andere dies mit großer Mühe versucht hat. Danach gab es keine besonderen Vorkommnisse mehr.
Ihre MajestätenWir zuckelten gemütlich durch den menschenleeren Ort, bis wir das Ziel unserer Reise erreicht hatten. Der Rest ist schnell erzählt. Wir schlugen uns den Bauch mit Kohl und Pinkel voll. Nach dem Essen gab das alte Königspaar die Krone weiter an die neuen Hoheiten Marcus & Martina. So eine Krönung muss natürlich ordentlich gefeiert werden und so wechselten wir hinüber in den Ballsaal. Der königliche Ball begann mit leichter Verspätung, aber das haben wir durch pausenloses Tanzen wieder wettgemacht. Alle Seeteufel waren mächtig in Stimmung und als der Bus kam, um uns in die Heimat zurückzubringen, mochten wir gar nicht glauben, dass dieser tolle Abend schon vorbei sein sollte.