"Es gibt kein
schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung."
Der Urheber dieser Binsenweisheit muss wohl einen Tag wie den 12.
Februar im Sinn gehabt haben. Sturm und Regen hatten unsere Lust auf
Kohlfahrt bereits am Morgen erheblich gedämpft. Nach langem Überlegen
entschieden sich Marcus und ich, die - modisch zwar nicht sehr
ansprechenden, dafür aber wetterfesten - Motorrad-Regenkombis für den
Fußmarsch anzuziehen.
Alles begann sehr verheißungsvoll. Wir trafen uns mit den übrigen
Seeteufeln am Bahnhof, wo wir nach dem Begrüßungstrunk einen Bus
bestiegen. Der Reiseleiter kündigte einen kurzen Bustransfer nach
Bremerhaven an. Dort sollten wir auf die Englandfähre umsteigen. Kohl
und Tanz sollte es auf der Fähre geben, als Höhepunkt war ein
einminütiger Aufenthalt auf englischem Boden geplant. Nun ja, der
Busfahrer hat die falsche Ausfahrt erwischt und plötzlich fanden wir
uns im Wesertunnel wieder. Jenseits des Tunnels, in einem kleinen Ort
mitten im Nichts setzte er uns aus, versprach aber, wiederzukommen.
Wir begannen unseren Marsch, immer geradeaus, mit den üblichen Stopps
an jeder Ecke. Wir ließen den Ort hinter uns und marschierten nun
zwischen Feldern weiter, immer noch gerade aus. Bei orkanartigen Böen
war es gar nicht so einfach, vorwärts zu kommen. Doch auf halben Weg
wurden wir erlöst. Zwei Kremserwagen warteten auf uns. Gutgelaunt
stiegen wir ein.
Wir mussten nun nicht mehr laufen und konnten im Warmen trinken. Konnte
es Schöneres geben? Plötzlich war ein lautes Fluchen von unserer
Kutscherin zu hören. Da lag ein umgeknickter Baum quer über die ohnehin
nicht sehr breite Straße. Aber der hatte die Rechnung ohne die
Seeteufel gemacht. Einige Seeteufel und Seeteufelinnen stiegen aus und
zurrten und zerrten solange an dem abgeknickten Stamm, bis der Weg frei
war. Zum Glück ist niemand im Graben gelandet, obwohl der eine oder
andere dies mit großer Mühe versucht hat. Danach gab es keine
besonderen Vorkommnisse mehr.
Wir zuckelten
gemütlich durch den menschenleeren Ort, bis wir das Ziel
unserer Reise erreicht hatten. Der Rest ist schnell erzählt. Wir
schlugen uns den Bauch mit Kohl und Pinkel voll. Nach dem Essen gab das
alte Königspaar die Krone weiter an die neuen Hoheiten Marcus &
Martina. So eine Krönung muss natürlich ordentlich gefeiert werden und
so wechselten wir hinüber in den Ballsaal. Der königliche Ball begann
mit leichter Verspätung, aber das haben wir durch pausenloses Tanzen
wieder wettgemacht. Alle Seeteufel waren mächtig in Stimmung und als
der Bus kam, um uns in die Heimat zurückzubringen, mochten wir gar
nicht glauben, dass dieser tolle Abend schon vorbei sein sollte.