Am Sonnabend, 16.
Februar 2002 gefiel es den amtierenden Majestäten,
ihre Lieblichkeit Kohlkönigin Uschi und seine Herrlichkeit König Alex
zur diesjährigen Kohlfahrt zu laden.
Da es für mich die erste Fahrt dieser Art war, begab ich mich
ehrfurchtsvoll zum Treffpunkt, Bremen Hauptbahnhof 14:00 Uhr. Ich war
bedingt durch meine freudige Erregung sogleich eine halbe Stunde zu
spät, weshalb ich auch mit einem herzlichen "bist Du auch schon da"
begrüßt wurde. Nach der zweiten Begrüßung mit einem leckeren Getränk,
war dann sogleich alles gut. So gegen 15:00 Uhr hieß es dann von der
Reiseleitung "auf geht's". Wir zogen dann bei aller bestem
Frühlingswetter (ca. 16° mitten im Februar) zum Busbahnhof, um einen
BSAG-Bus zu besteigen. Als der Bus gerade anrollen wollte hieß es
plötzlich "halt, Ursel und Waldi fehlen" "aber die sind doch in
Thailand" schallte es sofort zurück. Erleichtert, dass der
Ehrenvorsitzende doch nicht vergessen wurde, konnte die Fahrt
fortgesetzt werden. Wie ich im nach hinein erfahren habe, wusste
niemand außer der Führung, wohin die Fahrt gehen sollte. So wie der Bus
kreuz und quer durch die Stadt fuhr dachte ich schon, eine Kohlfahrt
ist eine Stadtrundfahrt. Irgendwann sind wir dann am Weserwehr
angekommen, ab hier begann die eigentliche Kohlfahrt (juhu). Die erste
Etappe, von diversen Stärkungspausen abgesehen, war kurz vor
Überquerung der Weser. Indem jeder ein Meerestier pantomimisch
darstellen musste, sollten sich Gruppen zusammenfinden. Obwohl einige
Aktionen eher an sexuelle Anzüglichkeiten als an irgend eine Art von
Tier erinnerte, fanden sich wie durch ein Wunder schließlich doch drei
homogene Mannschaften zusammen. Nun konnte am Weserwehr die Überquerung
der Weser in Angriff genommen werden. Dies erwies sich gefährlicher als
erwartet, denn nur durch beherzte Sprünge zur Seite konnte so mancher
einen Zusammenprall mit Radfahrern oder Inlinie-Skatern vermeiden.
Nachdem alle mehr oder weniger überlebt hatte, ließen die Cäsaren die
Spiele beginnen. In je einer Reihe aufgestellt mussten die Gruppen eine
Mausefalle mit einem Tennisball auslösen. Bei diesem Spiel hat jeder
gewonnen der hinterher eine Mausefalle richtig aufbauen konnte ohne
sich die Finger zu klemmen (gut das es keine Rattenfallen waren). Bei
weiterhin strahlendem Sonnenschein ging es weiter den Deich entlang,
bis zur Stelle des zweiten Wettkampfes des Tages und hier liegt die
Betonung auf Kampf. Jede Mannschaft sollte versuchen den Ball von der
Deichkrone durch das Tor am Deichfuß zu befördern. Die gegnerischen
Mannschaften sollten versuchen dies zu verhindern. Hört sich erst
einmal ganz einfach an, was aber daraus resultierte ist, zu Beschreiben
als eine Mischung aus Rugby, Nahkampftraining und Ententanz. Was nur
annähernd wie ein Ball aussah, wie z.B. Köpfe von Mitspielern, wurde
versucht ins Tor zu befördern. Wenn man den Ball einmal hatte, hatte
man sogleich auch viele Freunde, die einem alle ziemlich nahe kamen.
Nur der Umsichtigkeit der Fahrtleitung, die dann das Gemetzel vorzeitig
abbrach, ist es zu verdanken, das außer vielleicht an seiner Ehre
niemand ernsthaft verletzt wurde. Nach diesen Nervenaufreibenden
Ereignissen, hatten sich alle wirklich eine Stärkung verdient. An
dieser Stelle möchte der hervorragen Beköstigung mit Kaffee, Tee,
Kuchen und Sonstigem durch das Serviceteam Katrin und Harald im Namen
aller Teilnehmer danken. Frisch gestärkt konnte die letzte Etappe in
Angriff genommen werden. Auf dem Weg lag noch ein drittes Spiel bei dem
ein Löffel möglichst schnell durch die Ärmel von einem Arm zum Anderen
befördert werden musste. Hier gab es bis auf einige zweideutige
Hilfestellungen keine besonderen Vorkommnisse. Nach noch etwas
Fußmarsch, wobei schon bemerkt wurde, dass es inzwischen Ratten kalt
geworden war, erreichten alle mehr oder mehr weniger unbeschadet die
Gaststätte "zum Kuhhirten". Hier sind natürlich erst einmal alle
Seeteufel in den falschen Eingang gestürmt, was auch sonst. Nach all
den Anstrengungen des Tages hatten wir uns das nun kredenzte Kohlmahl
redlich verdient.
Vorweg eine Suppe,
dann Kohl bis zum Abwinken und im Anschluss Eis.
Nach gelungener Stärkung war wieder genug Energie vorhanden, um die
Königswürden weiter zu geben. Nach einer höchst ergreifenden Zeremonie
(ich habe so geweint), wurden die Insignien der Macht an Christiane und
Frank übergeben. Es war nun an der Zeit den Tanzreigen nach
Aufforderung des Alleinunterhalters, über den hinterher geäußert wurde,
dass er ganz gut war solange er nicht selber sang, durch die neuen und
die abgedankten Kohlköniginnen und Kohlkönige zu eröffnen. Die Menge
der anwesenden Vereine und Sonstiges hatte zur Folge, dass so ca. 10-15
Königspaare auf der Tanzfläche waren und auch später immer wieder der
Tanzstil Karambolage aufkam. Wenn dann mal etwas mehr Platz war, wurden
sofort Limboeinlagen aufgeführt und auch vom Disco bis zum Walzer alles
geboten.
Aber, alles hat ein Ende und nur die Wurst hat zwei, und so kam es,
dass so gegen 0:00 Uhr für die Seeteufel der Bus vom "Kuhhirten" zum
Hauptbahnhof abfuhr. Soweit mir bekannt wurde, haben zum Schluß bis auf
vier unerschrockene Seeteufel, die sich unbedingt noch diese laute
Rockmusik im "Aladin" antun mußten, den Heimweg angetreten. Von anderen
Exessen ist mir bis jetzt nichts zu Ohren gekommen. Falls ich in dieser
Richtung noch was in Erfahrung bringe, werde ich es nachtragen.
Mein persönliches Resümee als Kohlfahrtjungfrau ist: War doch gar nicht
so schlimm!!! Und so freue ich mich schon aufs nächste Jahr, dann tut's
auch gar nicht mehr weh!!!