Nach vielem hin und her war es soweit. Ich durfte meinen ersten
Tauchgang wagen. Bei schönem Wetter am Uthleder See habe ich mich in
meinen geliehenen Taucheranzug gezwängt. Während mir der Schweiß in
Strömen herunter lief, wünschte ich mir nur, endlich ins Wasser zu
kommen. Dieser Drang verstärkte sich noch enorm nach dem Anlegen von
Bleigurt und Flasche. Endlich wankte ich den steilen Weg zum Stand
herunter, mit einem neidischen Seitenblick auch die Badegäste, die sich
faul in der Sonne räkeln durften.
Archimedes sei Lob und Dank: Im Wasser werde ich leichter. Manfred
wartet schon ungeduldig. Nun erstmal in die Flossen rein. Hm, die haben
aber auch schon einmal besser gepasst. Nun gut, erst Mal die
obligatorische Tauchgangsbesprechung. Wir wollen ein wenige rechts
herum tauchen, bis zur "antiken" Säule. Zunächst schwimmen wir zum
Metalbügel. Abtauchen!
Kaum unter Wasser kippe ich nach hinten und zappel wie eine gestrandete
Schildkröte. Ich rappel’ mich auf und weiter geht's. Langsam gewöhne
ich mich an das tarieren. Ist doch ganz leicht! Kleine Fische schwimmen
um uns herum. Wie heißen die nur und warum blubbern Gasblasen aus dem
Boden? Vergrabene Taucher? Warum habe ich nur im Biologieunterricht
nicht besser aufgepasst?
Es wird kalt. Mein alter Tiefenmesser zeigt 9,8 Meter an. Dann geht
wieder etwas höher. Da zieht es mich nach oben. 4 Meter, 3,5 Meter, ...
wo ist nur dieser #%*$@# Inflator? ... 3 Meter, Manfred kann mir nur
noch verwundert zusehen. Langsam verschwindet sein Bild im trüben
Wasser. ... 2,5 Meter, ... ich reiße am Schnellablass. Nun geht es
wieder abwärts. Der Aufprall wird sanft abgefedert.
Ohne weitere Vorkommnisse erreichen wir die Säule. Manfred leuchtet in
eine kleine Höhle in der ein Krebs mit seinen Scheren klappert. Ich
bekomme Hunger. Es geht langsam zurück. Der Bewuchs am Seeboden ist
hier etwas stärker. Wieder leuchtet Manfred auf den Boden. Dort ist
etwas langes, dunkles. Ich muss näher ran. Trotz meiner Kurzsichtigkeit
erkenne ich es: Ein Hecht. Soooo groß war er! Kurz darauf noch ein
zweiter.
Die Atmosphäre hat mich wieder. Nachdem ich wieder festen Boden unter
den Füßen habe, ziehe ich mir die Flossen aus und weiß nun auch, warum
sie so eng waren: Das nächste Mal werde ich die Schoner vorher
herausnehmen. Weiter aus dem Wasser. Das Gewicht von Blei und Stahl
lässt mich Archimedes vergessen und drängt Newton in meine Wirbelsäule.
Ich will wieder zurück!
Dieser erste Tauchgang hat viel Spaß gemacht und macht Lust auf mehr.
Vielen Dank an Manfred für seine unerschöpfliche Geduld. Inzwischen
habe ich die ersten Pflichttauchgänge absolviert und freue mich schon
auf die ersten Tauchgänge als "echter" Seeteufel-Taucher.