Seegang

Ein Bericht von Marko Schade

Nach vielem hin und her war es soweit. Ich durfte meinen ersten Tauchgang wagen. Bei schönem Wetter am Uthleder See habe ich mich in meinen geliehenen Taucheranzug gezwängt. Während mir der Schweiß in Strömen herunter lief, wünschte ich mir nur, endlich ins Wasser zu kommen. Dieser Drang verstärkte sich noch enorm nach dem Anlegen von Bleigurt und Flasche. Endlich wankte ich den steilen Weg zum Stand herunter, mit einem neidischen Seitenblick auch die Badegäste, die sich faul in der Sonne räkeln durften.
Archimedes sei Lob und Dank: Im Wasser werde ich leichter. Manfred wartet schon ungeduldig. Nun erstmal in die Flossen rein. Hm, die haben aber auch schon einmal besser gepasst. Nun gut, erst Mal die obligatorische Tauchgangsbesprechung. Wir wollen ein wenige rechts herum tauchen, bis zur "antiken" Säule. Zunächst schwimmen wir zum Metalbügel. Abtauchen!
Kaum unter Wasser kippe ich nach hinten und zappel wie eine gestrandete Schildkröte. Ich rappel’ mich auf und weiter geht's. Langsam gewöhne ich mich an das tarieren. Ist doch ganz leicht! Kleine Fische schwimmen um uns herum. Wie heißen die nur und warum blubbern Gasblasen aus dem Boden? Vergrabene Taucher? Warum habe ich nur im Biologieunterricht nicht besser aufgepasst?
Es wird kalt. Mein alter Tiefenmesser zeigt 9,8 Meter an. Dann geht wieder etwas höher. Da zieht es mich nach oben. 4 Meter, 3,5 Meter, ... wo ist nur dieser #%*$@# Inflator? ... 3 Meter, Manfred kann mir nur noch verwundert zusehen. Langsam verschwindet sein Bild im trüben Wasser. ... 2,5 Meter, ... ich reiße am Schnellablass. Nun geht es wieder abwärts. Der Aufprall wird sanft abgefedert.
Ohne weitere Vorkommnisse erreichen wir die Säule. Manfred leuchtet in eine kleine Höhle in der ein Krebs mit seinen Scheren klappert. Ich bekomme Hunger. Es geht langsam zurück. Der Bewuchs am Seeboden ist hier etwas stärker. Wieder leuchtet Manfred auf den Boden. Dort ist etwas langes, dunkles. Ich muss näher ran. Trotz meiner Kurzsichtigkeit erkenne ich es: Ein Hecht. Soooo groß war er! Kurz darauf noch ein zweiter.
Die Atmosphäre hat mich wieder. Nachdem ich wieder festen Boden unter den Füßen habe, ziehe ich mir die Flossen aus und weiß nun auch, warum sie so eng waren: Das nächste Mal werde ich die Schoner vorher herausnehmen. Weiter aus dem Wasser. Das Gewicht von Blei und Stahl lässt mich Archimedes vergessen und drängt Newton in meine Wirbelsäule. Ich will wieder zurück!
Dieser erste Tauchgang hat viel Spaß gemacht und macht Lust auf mehr. Vielen Dank an Manfred für seine unerschöpfliche Geduld. Inzwischen habe ich die ersten Pflichttauchgänge absolviert und freue mich schon auf die ersten Tauchgänge als "echter" Seeteufel-Taucher.