Eigentlich hatte ich gar keine Lust.Es goss in Strömen und es sah nicht so aus, als würde sich das Wetter so bald ändern. Es war Freitag abend, ich hatte einen anstrengenden Arbeitstag hinter mir und nun saß ich allein im Auto, auf dem Weg nach Dänemark. An der Grenze, ein Lichtblick, hörte es immerhin auf zu regnen, aber für wie lange?
Nachdem ich von der Autobahn abgefahren war, dachte ich, ich wäre am Ende der Welt. Es war dunkel, weit und breit kein Mensch und so richtig Häuser konnte man auch nicht sehen. Die Straße wurde immer kleiner und schmaler. Nach jeder Kurve dachte ich, die Straße hört auf. Doch dann erreichte ich tatsächlich den Camping Platz von Gl. Ålbo. Was heißt nur dieses "Gl."?
Reinhard holte mich am Eingang ab und wies mir den Weg zu den anderen Sieben, die alle bereits Freitag angereist waren. Es war diesmal eine sehr kleine Gruppe. Viele, die kommen wollten, wurden wohl vom schlechten Wetter abgehalten. Auch ich fand die Aussicht im Regen im nassen Zelt zu schlafen (wo würde ich in Bremen mein Zelt wieder trocknen? Im Wohnzimmer?) nicht gerade sehr anregend. Susanne und Matthias, Reinhard und Margret, Niko und Uwe aus Lohne und als "Special Guest" vom TSC, Eckart, genannt Ekat, berichteten aber, sie hätten den ganzen Tag schönes Wetter gehabt. Kann ja jeder erzählen!
Am
Samstag morgen, man glaubt es nicht, schien die Sonne! Wir hatten für
diesen Tag ein Boot gechartert. Grund genug also, um raus zur Steilwand
zu fahren. Auf das Boot passten genau sieben Personen also konnten wir
alle zusammen fahren. Nach einer kurzen Fahrt erreichten wir den Punkt,
wo die Steilwand anfangen sollte. Wir machten uns in drei zweier Teams
startklar, nur Reinhard hatte mit einer Erkältung zu kämpfen und konnte
nicht mit. Ich tauchte mit Ekat. Wir erreichten schnell die Steilwand
doch leider ging die Strömung in die verkehrte Richtung, so dass es uns
von der Wand weg zog. Wir betrachteten also im Sauseschritt den
Meeresboden, der vor Vegetation nur so strotzte. Nachdem wir, dank
Eckards Navigationskünsten, ich hatte längst jeden Bezug zu unserem
Aufenthaltsort verloren, genau unseren Ausgangspunkt wieder erreicht
hatten, stellten wir fest, dass Reinhard das Boot mit der Strömung
versetzt hatte. Es war also doch ein kurzes Stück Laufen angesagt. Die
Anderen waren aber auch nicht besser. Auf dem Weg zurück, schrie Niko
plötzlich Stop, sie hätte Delphine gesehen. "Wir sind doch nicht in
Ägypten", dachte ich, doch da sah ich sie auch. Es war ein Rudel von
ungefähr zehn kleinen Mini-Walen, die genau wie Delphine im Süden, vor
unserem Boot herumtollten.
Da Susanne beim Einkauf des Essens mit wesentlich mehr Personen
gerechnet hatten, sollte es ein opulentes Mittag geben. Wir saßen aber
alle in der Sonne und hatten nicht so recht Hunger. Lieber ließen wir
uns von Reinhard die Besonderheiten des Strömungstauchen erklären.
Danach machten wir uns auf zum zweiten Tauchgang. Wir fuhren wieder zur
Steilwand. Diesmal tauchte Reinhard auch, so hüteten Ekat und ich das
Boot. Dann, nachdem Reinhard (und natürlich alle anderen) wieder da
war, konnten wir noch einen Versuch unternehmen, die Steilwand diesmal
zu entdecken. Wir tauchten sie gegen die Strömung an und wurden
belohnt. Eine Wand voller Seescheiden, Seenelken und Krebse und Dorsche
und, und, und... Das war Klasse!
Abends gab es dann die gesammelten Werke des Grillfleisches, also wer da nicht satt wurde! Margret hatte, während wir tauchen waren, Brombeeren gesammelt und einen super leckeren Pudding gekocht. Er war in solchen rauen Mengen vorrätig, wir hätten den ganzen Camping Platz einladen können. Hätten - haben wir aber nicht! Statt dessen waren wir alle kugelrund und feierten den Abend im Vereinszelt bis spät in die Nacht.
Am Sonntag haben wir dann am Vormittag einen Tauchgang direkt vom Strand gemacht, auch dort gab es viel zu sehen. Ich fühlte mich allerdings wie in einem Film. Der Grund rauscht an einem vorbei und man schaut einfach zu. Je länger wir uns durch die wunderschöne Unterwasserwelt treiben ließen, desto mehr dachte ich an den langen Rückweg am Strand. Doch als wir dann auftauchten, war es gar nicht so weit. Danach machten wir uns dann daran, die Zelte zusammenzupacken. Beim Bezahlen fragte ich dann nach, was es nun mit diesem "Gl." auf sich hat. Gl. Steht für "Gammel" und das heißt "alt". "Ålbo" steht für Aalhütte und beides zusammen meint "Alte Aalräucherei".
So aufgeklärt, begann ich den Rückweg von einem schönen, sonnigen und warmen Wochenende und ich dachte nur an die Vielen, die eigentlich mitkommen wollten und nun ein Wochenende im verregneten Bremen genossen hatten.