Schon als Jugendlicher hab ich so ziemlich alles an Getier
fotografiert, was nicht schnell genug auf den Bäumen war. Da lag es
nahe, dieses Hobby auch unter Wasser auszuleben. Angesichts der
furchterregenden Preise für "echte" Unterwasserkameras und Gehäuse war
ich einige Jahre mit einer einfachen Ritsch-Ratsch-Klick Kamera im
Gehäuse unterwegs - einer Bonica Snapper - von den Ergebnissen meist
bitter enttäuscht. Inspiriert durch die vielen tollen Fotos auf unseren
Vereinsabenden, nicht zuletzt Katrins tollen Makroaufnahmen, hab ich
mir im Frühjahr dann doch eine zwar gebrauchte aber sehr gute
Kameraausrüstung zugelegt. Bei der Suche nach weiterem Zubehör für
meine Nikonos V bin ich schließlich auf die Website von Kurt Amsler in
Frankreich gestoßen, einem bekannten Unterwasserfotografen und
Tauchpionier. Dieser hatte nicht nur günstiges Weitwinkel- und und
Nahaufnahmezubehör anzubieten, sondern auch verschiedene Workshops für
Unterwasserfotografie. Da ich wußte, daß Fotografieren unter Wasser oft
eigenen Gesetzen gehorcht und ich bei der nahenden Vereinsreise ans
Rote Meer Anfängerfehler vermeiden wollte, hab ich mich
kurzentschlossen angemeldet. Also: die Kamera zur Revision geschickt,
dann ein erstes Coaching durch Katrin im Schwimmbad und ab ging es mit
dem Clio nach St. Cyr sur Mer an der Cote Azure.
Als Unterkunft in St. Cyr diente ein zum Familienhotel umgebauter
Landsitz im typischen Mittelmeerstil. Einst feudal, jetzt schlicht aber
sympathisch ausgestattet mit Einzel- und Mehrbettzimmern. Außer mir gab
es nur noch drei weitere Teilnehmer: Matthias aus Frankfurt, Helmut aus
Köln und Heinz aus Innsbruck, alle mit reichlich Taucherfahrung (TL und
Divemaster) und schon länger in Sachen Unterwasserfotografie unterwegs.
Außerdem dabei: Anne, eine etwas ausgeflippte Journalistin aus Paris,
die über Kurt und seine Workshops einen Artikel für den Plongeur International
schreiben wird (Franz. "Cours photo n° 9 : Kurt
Amsler vous apprend la composition" [Numéro 66 - Octobre/Novembre
2004] / Engl. "Photo lesson n° 8 : Master light with Kurt Amsler"
[Number 64 - September 2004]).
Der Workshop
Die Themen:
Jeder Tag hatte
dabei die gleiche Abfolge: Frühstück - Briefing -
Bootstauchgang - Pause und Mittagessen - Theorielektionen - Dias vom
Vormittag rahmen, vorführen und besprechen - Abendessen -
Vorbesprechung vom Tauchgang des nächsten Tages und Vorbereiten der
Ausrüstung. Mit anderen Worten, die Tage waren ausgefüllt, anstrengend
und gleichzeitig hochinteressant. Als Seminarraum diente ein kleiner
Schuppen neben dem Hotel, vollgestopft mit Diasortierpulten,
Ladegeräten und sündhaft teuren Fotoausrüstungen. Die Diafilme vom
Vormittag entwickelte Kurt über Mittag im eigenen kleinen Labor.
Die Abfolge von Theorie, Praxis und Bildbesprechung fand ich super und
war sehr effektiv. Kürt (wie die Franzosen es aussprechen) ließ sich
geduldig Löcher in den Bauch fragen - auch wenn die Fragen noch so
dämlich waren - , hatte stets eine kompetente Antwort und sorgte beim
gemeinsamen Abendessen mit seinen farbenfrohen Geschichten aus dem
Leben eines gefragten Unterwasserfotografen für Unterhaltung. Für die
Tauchgänge fuhren wir mit dem Auto runter zum Hafen von Les Leques, zur
dortigen soliden Tauchbasis, von der es dann mit einem Aluschiff, der
"H2O", zu den für Mittelmeerverhältnisse sehr
schönen Tauchplätzen vor der Ile Verde ging. Das Tauchen war für mich
oft ziemlich anstrengend. Meist hing ich über der Reling, fror wie
Schneider und schaffte es vor lauter Gereiher manchmal kaum ins Jacket
zu kommen. Dabei sammelte ich meine ersten, weniger schönen Erfahrungen
mit Dekotauchgängen und kritischen Situationen, habe aber viel gelernt,
nicht nur übers Fotografieren.
Am Abend des letzten Tages gab es vor der (etwas drögen) Abschlußfete
noch einen kleinen Fotocontest. Wir suchten unsere besten Dias heraus
und führten sie einer kleinen Jury, bestehend aus zwei mit Kurt
befreundeten Unterwasserfotografen, vor. Gewonnen hat verdientermaßen
Heinz, dem u. a. beim Wrack der P38 die spektakuläre Aufnahme eines
großen Congers gelungen war.
Fazit: Wer Informationen aus erster Hand sucht, mit seinen bisherigen
Unterwasserfotos unzufrieden ist und durch Fragen und direktem Feedback
mehr lernt als aus Büchern, dem kann ich diesen Kurs, trotz des nicht
geringen Preises, empfehlen. Außer diesem Advanced Kurs gibt es
übrigens noch einen Aufbaukurs sowie Workshops zur Digital- und
Wrackfotografie.
PS: Endlich am Roten Meer angekommen, mit einer
riesen Vorfreude aufs
Fotografieren und einem Haufen Filme in der Tasche, ist mir schon am
zweiten Tauchtag die Kamera abgesoffen. Aus Gründen die ich nicht mehr
nachvollziehen kann (im Zweifelsfall eigene Dummheit) war 30min nach
dem Einstieg auf mal das Synchronkabel ab und die Kamera saugte sich
blitzschnell voll Wasser (Diagnose der Servicewerkstatt: mind. 410 .
Reparaturkosten - sprich Totalschaden).
Ehrlich, ich hätte schon wieder die Fische füttern können.