Fotoworkshop in Südfrankreich

Ein Bericht von Jens Bücking

Schon als Jugendlicher hab ich so ziemlich alles an Getier fotografiert, was nicht schnell genug auf den Bäumen war. Da lag es nahe, dieses Hobby auch unter Wasser auszuleben. Angesichts der furchterregenden Preise für "echte" Unterwasserkameras und Gehäuse war ich einige Jahre mit einer einfachen Ritsch-Ratsch-Klick Kamera im Gehäuse unterwegs - einer Bonica Snapper - von den Ergebnissen meist bitter enttäuscht. Inspiriert durch die vielen tollen Fotos auf unseren Vereinsabenden, nicht zuletzt Katrins tollen Makroaufnahmen, hab ich mir im Frühjahr dann doch eine zwar gebrauchte aber sehr gute Kameraausrüstung zugelegt. Bei der Suche nach weiterem Zubehör für meine Nikonos V bin ich schließlich auf die Website von Kurt Amsler in Frankreich gestoßen, einem bekannten Unterwasserfotografen und Tauchpionier. Dieser hatte nicht nur günstiges Weitwinkel- und und Nahaufnahmezubehör anzubieten, sondern auch verschiedene Workshops für Unterwasserfotografie. Da ich wußte, daß Fotografieren unter Wasser oft eigenen Gesetzen gehorcht und ich bei der nahenden Vereinsreise ans Rote Meer Anfängerfehler vermeiden wollte, hab ich mich kurzentschlossen angemeldet. Also: die Kamera zur Revision geschickt, dann ein erstes Coaching durch Katrin im Schwimmbad und ab ging es mit dem Clio nach St. Cyr sur Mer an der Cote Azure.
Als Unterkunft in St. Cyr diente ein zum Familienhotel umgebauter Landsitz im typischen Mittelmeerstil. Einst feudal, jetzt schlicht aber sympathisch ausgestattet mit Einzel- und Mehrbettzimmern. Außer mir gab es nur noch drei weitere Teilnehmer: Matthias aus Frankfurt, Helmut aus Köln und Heinz aus Innsbruck, alle mit reichlich Taucherfahrung (TL und Divemaster) und schon länger in Sachen Unterwasserfotografie unterwegs. Außerdem dabei: Anne, eine etwas ausgeflippte Journalistin aus Paris, die über Kurt und seine Workshops einen Artikel für den Plongeur International schreiben wird (Franz. "Cours photo n° 9 : Kurt Amsler vous apprend la composition" [Numéro 66 - Octobre/Novembre 2004] / Engl. "Photo lesson n° 8 :  Master light with Kurt Amsler" [Number 64 - September 2004]).

Der Workshop
Die Themen:

  1. Freie Motivwahl (Eingewöhnungstauchgang)
  2. Makrofotografie
  3. Weitwinkelfotografie
  4. Fischfotografie
  5. Wrackfotografie

DiashowJeder Tag hatte dabei die gleiche Abfolge: Frühstück - Briefing - Bootstauchgang - Pause und Mittagessen - Theorielektionen - Dias vom Vormittag rahmen, vorführen und besprechen - Abendessen - Vorbesprechung vom Tauchgang des nächsten Tages und Vorbereiten der Ausrüstung. Mit anderen Worten, die Tage waren ausgefüllt, anstrengend und gleichzeitig hochinteressant. Als Seminarraum diente ein kleiner Schuppen neben dem Hotel, vollgestopft mit Diasortierpulten, Ladegeräten und sündhaft teuren Fotoausrüstungen. Die Diafilme vom Vormittag entwickelte Kurt über Mittag im eigenen kleinen Labor.
Die Abfolge von Theorie, Praxis und Bildbesprechung fand ich super und war sehr effektiv. Kürt (wie die Franzosen es aussprechen) ließ sich geduldig Löcher in den Bauch fragen - auch wenn die Fragen noch so dämlich waren - , hatte stets eine kompetente Antwort und sorgte beim gemeinsamen Abendessen mit seinen farbenfrohen Geschichten aus dem Leben eines gefragten Unterwasserfotografen für Unterhaltung. Für die Tauchgänge fuhren wir mit dem Auto runter zum Hafen von Les Leques, zur dortigen soliden Tauchbasis, von der es dann mit einem Aluschiff, der "H2O", zu den für Mittelmeerverhältnisse sehr schönen Tauchplätzen vor der Ile Verde ging. Das Tauchen war für mich oft ziemlich anstrengend. Meist hing ich über der Reling, fror wie Schneider und schaffte es vor lauter Gereiher manchmal kaum ins Jacket zu kommen. Dabei sammelte ich meine ersten, weniger schönen Erfahrungen mit Dekotauchgängen und kritischen Situationen, habe aber viel gelernt, nicht nur übers Fotografieren.
Am Abend des letzten Tages gab es vor der (etwas drögen) Abschlußfete noch einen kleinen Fotocontest. Wir suchten unsere besten Dias heraus und führten sie einer kleinen Jury, bestehend aus zwei mit Kurt befreundeten Unterwasserfotografen, vor. Gewonnen hat verdientermaßen Heinz, dem u. a. beim Wrack der P38 die spektakuläre Aufnahme eines großen Congers gelungen war.
Fazit: Wer Informationen aus erster Hand sucht, mit seinen bisherigen Unterwasserfotos unzufrieden ist und durch Fragen und direktem Feedback mehr lernt als aus Büchern, dem kann ich diesen Kurs, trotz des nicht geringen Preises, empfehlen. Außer diesem Advanced Kurs gibt es übrigens noch einen Aufbaukurs sowie Workshops zur Digital- und Wrackfotografie.

PS: Endlich am Roten Meer angekommen, mit einer riesen Vorfreude aufs Fotografieren und einem Haufen Filme in der Tasche, ist mir schon am zweiten Tauchtag die Kamera abgesoffen. Aus Gründen die ich nicht mehr nachvollziehen kann (im Zweifelsfall eigene Dummheit) war 30min nach dem Einstieg auf mal das Synchronkabel ab und die Kamera saugte sich blitzschnell voll Wasser (Diagnose der Servicewerkstatt: mind. 410 . Reparaturkosten - sprich Totalschaden).
Ehrlich, ich hätte schon wieder die Fische füttern können.