Tauchen ist ja eigentlich eine ruhige entspannende Sportart. Aber letztens in Österreich habe ich kennen gelernt, dass Tauchen auch mit Action verbunden werden kann, und was für Action.
Wir waren in Österreich, eigentlich zum Bergseetauchen. Die ach so klaren Bergseen waren dieses Jahr leider gar nicht klar (hatten wir das nicht schon einmal in Schwerin?). So blieb Raum für Tauchfremde Aktivitäten, wie Rafting, an dem ich dank meiner Arbeit, leider nicht teilnehmen konnte.
Angelockt von Prospekten, die schöne Bilder von ausgewaschenen
Felsen mit viel Raum und Tiefe zeigten, beschlossen wir Seeteufel,
einen Flusstauchgang zu machen.
Manni organisierte für uns eine Tauchschule und wir trafen uns auf
einem Parkplatz an der Traun. Nach kurzer Wartezeit erschien auch eine
Tauchlehrerin, die uns in zwei Gruppen nacheinander mit Ihrem Taxibus
den Fluss ein Stückchen hinauf fuhr. Wir Taucher, bereits in unseren
Anzügen, fingen schon an, uns an das nasse Element zu gewöhnen, aber
leider nur innerhalb der Gummihaut. Braten im eigenen Saft - lecker.
Nach kurzer Fahrtzeit hielten wir mitten in der Pampas an (stimmt nicht
ganz, denn da war doch tatsächlich ein Haus, aber wohnte da einer? Und
wenn da einer wohnte, was dachte der wohl über die Horde schwarz
bekleideter Bekloppter, die sich vor seiner Terrasse in die Fluten
stürzen wollten?).
Uns wurde gesagt,
hier in den Fluss hinein und am Ende wieder hinaus. Doch wo war das
Ende? Auf Nachfrage, erfuhren wir, dass wir nach ungefähr einer
dreiviertel bis ganzen Stunde, wenn sich der Untergrund ändern würde,
mal den Kopf aus dem Wasser stecken sollten und dann würden wir auf der
linken Seite eine Sandbank sehen. Nun, gut das sollte reichen und wir
wollten starten. Die Bemerkung der Tauchlehrerin, der Wasserstand sei
aufgrund der Gewitter erstaunlich hoch, hörten wir schon gar nicht mehr
bewusst. Also hinein in die Fluten und los. Die Sicht war, im
Unterschied zum Prospekt nicht der Rede wert, sprich eigentlich nicht
vorhanden. Immerhin konnte man den Grund sehen.
Dieser besagte Grund war ja auch nur so ca. einen Meter unter einem und
Steine und Felsen sausten vorbei. Ganz so als würde man aus einem
Flugzeug auf die Erde schauen, dachte ich - lustig. Dann wurde es immer
schneller. Die Steine unter mir, kamen immer mal wieder ziemlich nahe
an mich und vor allem meine Knie heran! Abtauchen wollte ich schon gar
nicht mehr. Daran war eh nicht zu denken, denn selbst, wenn der Bauch
direkt über die Steine geschrammt wäre, hätte die Flasche oben fast
noch herausgeschaut. Aber leider konnte man auch nicht höher! Hin und
wieder, man hatte ihn gerade erst erspäht, da war er auch schon wieder
weg, kam ein Felsen doch ziemlich nahe. Und es wurde immer schneller.
Plötzlich sah ich vor mir einen dunklen Schatten. Bevor ich reagieren
konnte, machte sich der Schatten doch ziemlich real an meiner Brust
bemerkbar. Es war ein Baumstumpf, den ich (oder er mich?) frontal
getroffen hatte. Glücklicherweise hatte ich mir nicht wirklich
wehgetan. Katrin und ich hielten uns gegenseitig fest - wir wollten
auch weiterhin gemeinsame Wege gehen. In den rauschenden Strömen wären
wir sonst getrennt worden. Katrin war zumindest noch da. Vielleicht
macht das Ganze wenigstens Ihr Spaß. Sie mag allerdings keine
Geschwindigkeit. Dann ist dies hier bestimmt das Richtige für sie.
Der Fluss machte eine leichte Kurve nach links. Ich dachte, es könnte
sinnvoller sein, auf die rechte Flussseite zu wechseln, da es dort ja
tiefer sein müsste. Ein paar Zeichen mit Händedrücken, anscheinend war
Katrin auf den gleichen Gedanken gekommen. War es auch geringfügig.
Leider kamen jetzt unter Wasser ständig riesige dunkle Wände auf uns
zu. Also, Kopf aus dem Wasser, nein da war nichts. Kopf wieder unter
Wasser, wieder eine Wand - Es waren die Schatten der Bäume, die das
Flussufer säumten.
Also wieder nach links. Lieber echte Felsen, dafür sichtbar und in
Farbe, als graue Wände, die keine waren. Schaute ich über Wasser, hatte
ich ständig Angst, unter Wasser könnte ja wieder ein Baumstumpf oder
vielleicht zur Abwechslung eine Metallstange, die aus dem Grund ragt,
sein. Also nahm ich den Kopf wieder unter Wasser, aber da gab es immer
wieder auch links diese Schatten.
Nach einer knappen halben Stunde wechselte, früher als angekündigt,
plötzlich der Untergrund. Es war nicht mehr felsig und auch die
Geschwindigkeit, mit der wir uns durch den Fluss bewegten, nahm wieder
annehmbare Züge an. Ein Blick aus dem Wasser offenbarte eine
Eisenbahnbrücke, allerdings keine Sandbank. Nach kurzer Zeit sahen wir
einen kleinen sandigen Zugang zum Fluss. Wir entschieden uns hier mal
auszusteigen und zu schauen, wo wir nun waren. Siehe da - der
Parkplatz. Eine sehr kleine Sandbank also, denn sie war nicht größer
als zwei Quadratmeter.
Leider waren Jörg und sein Partner Helmut getrennt worden. Jörg
schaffte den Ausstieg, Helmut nicht. Der war an der gegenüberliegenden
Flussseite angekommen. Anstalten den Fluss zu durchschwimmen, wurden
durch die Strömung unterbunden, er wurde immer weiter abgetrieben. So
entschloss er sich zu einem gut halbstündigen Marsch mit kompletter
Tauchausrüstung bei 25° Außentemperatur quer durch die Stadt. Als er
bei uns auf dem Parkplatz ankam, war Helmuts Kreislaufkollaps mehr als
nah. Auch Olaf verpasste den Ausstieg und suchte seinen Weg, quer durch
die Wildnis einer Schwaneninsel. Die von uns ohnehin nicht begeisterten
Schwäne ließen ihn zwar in Ruhe, aber das erneute Auftauchen eines
Wasserlaufes, anstelle des erwarteten Parkplatzes brachten Olaf in
solche Wut, dass er erst seine Maske, dann sein Blei und zum Schluss
noch eine Flosse verlor.
Letztendlich sind wir alle wieder heil aus den reißenden Fluten entkommen. Aber den nächsten Prospekt lese ich mir dann doch genauer durch und überprüfe woher die Bilder kommen.