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Ein Bericht von Katrin Hamann

Der Grienenberg See - vielen jedoch vermutlich eher als Uthleder See bekannt - ist kein natürlicher sondern ein Baggersee. Er entstand als von August 1968 bis Oktober 1974 die A27 zwischen Bremen und Bremerhaven gebaut wurde.

Er ist bis zu 25m tief, auch wenn wohl nur wenige Taucher die entsprechende Stelle finden, hat uns Tauchern viel zu bieten. Neben verschiedenen Tieren, wie z.B. Hechte, Barsche in allen Größen, Insektenlarven und anderes Kleingetier und im Frühjahr sogar Kaulquappen, gibt es auch verschiedene orttreue Attraktionen. Da wäre der Kilimanjaro - eine Kreideformation ab etwa 7 m Tiefe; das Riff - ein Bauschutthaufen, an dem man zwischen 2 m und 12 m Tiefe viele Spalten erkunden kann und natürlich unser Wrack - ein kleines Sportboot, welches in einer Tiefe von etwa 7 m versenkt wurde. Außerdem wurden zwei Ausbildungsplattformen in 7 m und 11 m Tiefe ausgebracht.

Unser See gehört wie fast alle Seen in Deutschland zu den dimiktischen Seen. Das Wort könnt ihr gleich wieder vergessen. Aber was dieses eine Wort beschreibt - den zweimaligen Wechsel von Zirkulation und Stagnation des Wassers im Jahr - ist für den See von großer Bedeutung.

Der See im FrühjahrIm Frühjahr, wenn das Wasser des Sees einheitlich 4 °C warm (oder - aus Tauchersicht - kalt) ist, kann der gesamte Wasserkörper durch Winde umgewälzt werden. Durch die gleichmäßige Verteilung der Nährsalze entwickelt sich mit ausreichend Licht eine Algenblüte. Dabei trüben uns vor allem Kieselalgen die Sicht. Durch das reiche Nahrungsangebot vermehren sich aber auch Wasserflöhe und anderes Zooplankton. Die Weibchen der Wasserflöhe sind in der Lage ohne Mitwirkung von Männchen Eier zu produzieren aus denen sich wieder Weibchen entwickeln. Diese können sich ebenfalls asexuell fortpflanzen, usw., usw. ...Dadurch können sie sich besonders rasant vermehren und ihr Hunger sorgt anschließend für ein Klarwasserstadium.

Der See im SommerWird der See weiter erwärmt, machen sich zwei Eigenschaften des Wassers bemerkbar: die Dichteanomalie (Wasser hat bei +4°C seine größte Dichte) und seine geringe Wärmeleitfähigkeit.
Dadurch bilden sich im See stabile Schichten mit verschiedenen Temperaturen:

  1. Eine warme Oberflächenschicht - in der es sich in warmen Sommern auch ohne Handschuhe, Füßlinge und Kopfhaube gut aushalten lässt.
  2. Die Sprungschicht in der die Temperatur sprunghaft abfällt und deren Grenzen man beim Tauchen deutlich fühlen und oft sogar sehen kann.
  3. Eine etwa 4°- 6°C warme Tiefenschicht, in der man sich auch in so einem Sommer wie in diesem Jahr besser dick eingepackt oder nur sehr kurz aufhält.

Für den See hat diese Schichtung aber sehr viel weitreichendere Auswirkungen. Tote Algen und Tiere sowie der Kot der lebenden Tiere sinken durch die Sprungschicht und werden größtenteils erst in der Tiefenschicht abgebaut. Die beim Abbau freigesetzten Nährsalze können aufgrund der stabilen Schichtung aber nicht zurück in die Oberflächenschicht gelangen. Die Algen benötigen ausreichend Licht (in der Oberflächenschicht vorhanden) und ausreichend Nährsalze (werden der Oberflächenschicht immer mehr entzogen und reichern sich in der Tiefenschicht an). Deshalb wird das Algenwachstum im Sommer begrenzt - was uns eine recht gute Sicht einbringt. Wird die Oberflächenschicht jedoch mit zusätzlichen Nährsalzen gedüngt, z.B. bei starkem Badebetrieb, so können im Sommer Grünalgen und Cyanobakterien (=Blaualgen) eine Blüte bilden und uns die Sicht vermiesen. Dies war dieses Jahr im Unisee besonders deutlich.

Der See im HerbstWenn im Herbst die Temperatur des Wassers wieder einheitlich wird, kann der See erneut bis zum Grund durchmischt werden. Dabei gelangt das mit Nährsalzen angereicherte Tiefenwasser wieder an die lichtdurchflutete Oberfläche. So kommt es im Herbst erneut zu einer von Kieselalgen dominierten Blüte.

Der See im WinterIm Winter, bei niedrigen Temperaturen und schlechten Lichtverhältnissen, wachsen die Algen kaum noch und man kann warm eingepackt eine gute Sicht genießen. Auch bei eisigkalten Minustemperaturen und einer dicken Eisschicht auf dem See wird das Wasser aufgrund der Dichteanomalie in den tieferen Bereichen des Sees nie kälter als 4°C. Sie dienen den Fischen und anderen Tieren des Sees als Rückzugsgebiete in denen sie die kalte und futterarme Jahreszeit überstehen können. Um mit ihren Fettreserven bis zum nächsten Frühjahr auszukommen drosseln die Fische ihren Stoffwechsel und halten Winterruhe. Werden sie jedoch - z.B. durch allzu neugierige Taucher - aufgeschreckt, erhöht sich ihr Energieverbrauch. Geschieht dies zu häufig reichen ihre Fettreserven nicht bis zum Frühjahr.

Fazit: Im Winter die Fische nicht ärgern und v.a. im Sommer nicht in den Anzug pinkeln - es sei denn ihr taucht trocken ;-)

Veröffentlicht in den "Teuflichen Nachrichten"