Diese Frage habe ich in letzter Zeit des öfteren am See gehört. Deshalb werde ich diesmal etwas über die kleinen, aber aufgrund ihrer knallroten Färbung sehr auffälligen Wassermilben schreiben.
Milben sind die artenreichste Gruppe der Spinnentiere. Aufgrund ihrer meist sehr geringen Größe (häufig < 1mm) kann man sie jedoch oft gar nicht oder nur schwer entdecken.
Die Wassermilben sind vom Land in das Wasser eingewandert, und zwar zum überwiegenden Teil - fast 1000 Arten - in die Binnengewässer. Dort haben sie nahezu alle Lebensräume besiedelt und sind sogar in extremen Umgebungen wie den heißen Quellen zu finden. Neben den verschiedenen auffällig rot gefärbten Arten gibt es auch weniger auffällig gefärbte Arten.
Merkwürdigerweise sind sie in ihrem Körperbau - die Erwachsenen sind sofort an dem ungegliederten Körper und den 4 Beinpaaren zu erkennen nur wenig an das Wasserleben angepasst. Entsprechend der Lebensweise sind aber die Beine verschieden gestaltet. Die der Bachbewohner haben meist große Klauen und steife Borsten zum Festklammern, die Beine der freischwimmenden Stillwasserformen sind wenigstens z.T. mit dichten Säumen feiner Schwimmhaare besetzt.
Obwohl Wassermilben keine Kiemen haben müssen sie nicht zum Atmen an die Wasseroberfläche. Der Sauerstoff gelangt durch ein System verzweigter feinster Röhren (den Tracheen) an alle Organe. Die Enden der Hauptröhren dieses Systems sind von einer gemeinsamen dünnen Membran umschlossen, durch die der Sauerstoff aus dem Wasser in das Atemsystem eindringt.
Alle Wassermilben sind Raubtiere. Die Beute besteht hauptsächlich aus Kleinkrebsen verschiedenster Art (Muschelkrebse, Wasserflöhe u.a.) und weichhäutigen Larven von Wasserinsekten, wie von Zuckmücken und Eintagsfliegen. Die Wassermilben packen ihre Beute mit den Palpen, gegliederten Anhängen der Mundgliedmaßen, stechen sie mit den Fresswerkzeugen an und saugen sie aus. Nur der flüssige Inhalt der Beutetiers wird von der Milbe aufgenommen, die ausgesaugte Haut lässt sie fallen.
Die Entwicklung ist sehr verschiedenartig. In den allermeisten Fällen ist sie zu dem noch gar nicht oder unvollständig erforscht und somit lässt sich nur wenig mit Sicherheit sagen. Ihre Eier legen sie, einzeln oder zu Gelegen vereinigt, an Wasserpflanzen oder Steinen ab. Die Zahl der roten, gelben und bräunlichen Eier schwankt je nach Art zwischen einem einzigen und nahezu tausend.
Die aus dem Ei schlüpfende Junglarve stellt das 1. Larvenstadium dar, das nur 3 Beinpaare besitzt. Bei vielen Arten muss sich die Junglarve nun an einem geeigneten Wirtstier, von dessen Blut sie schmarotzt, ansaugen. Die Larven mancher Arten kommen an die Wasseroberfläche und befallen dort Wasserläufer oder Mücken. Andere heften sich an die Larven oder Puppen von Insekten oder saugen sich an dauernd im Wasser lebenden Insekten, z.B. Schwimmkäfer oder Wasserwanzen, an. Auf fliegenden Insekten parasitierende Arten können mit diesen leicht in andere Gewässer gelangen. Nach einem Puppenstadium entsteht das 2. Larven- oder Nymphenstadium, das abgesehen von der unvollständigen Ausprägung der Geschlechtsorgane völlig den Erwachsenen gleicht und auch schon 4 Beinpaare hat. Die Nymphe schwimmt kurze Zeit frei umher und verwandelt sich dann in ein wieder bewegungsloses 2. Puppenstadium. Aus diesem schlüpft das geschlechtsreife Tier.
Veröffentlicht in den "Teuflichen Nachrichten"
© Seeteufel e.V. 2007